Korrektion der Hauptstrasse in Rorschach, zwischen Trischli- und Kronenstrasse

Neuüberbauung des Adlergebietes

Als im November 1908 die öffentliche Bürgerversammlung für den Betrag von Fr. 82'050.- den Ankauf der Liegenschaften Hauptstrasse Nr. 99 (Schmiede Köder) und «Trischli» beschloss, dachte wohl niemand, dass nach knapp einem Vierteljahrhundert die Neuüberbauung längs der Hauptstrasse zur Tatsache werde. Dies wurde nur möglich, weil der Gemeinderat in der Folge sämtliche Liegenschaften zwischen Schmiede und Adler «bei sich bietender» Gelegenheit aufkaufte: Am 26. Juli 1920 die Liegenschaft Weber, Hauptstrasse 89b (frühere Kegelbahn), am 28. April 1922 das Haus Hauptstrasse Nr. 91 (Federer), am 16. Dezember 1927 das Haus Hauptstrasse Nr. 97 (Bawidammann), am 27. August 1929 das Haus Hauptstrasse Nr. 93 (Kloos) und am 3. Oktober 1930 das Haus Hauptstrasse Nr. 95 (Frischmann). Dass die Gemeinde bei der Neuüberhauung ein bedeutendes Opfer bringen müsse, war schon im Gutachten vom November 1908 (Ankauf Schmiede und «Trischli») vorausgesehen: Einmal an die Korrektion der Hauptstrasse und dann Abschreibungen auf den abzubrechenden Häusern und am Bodenpreis.

Wie es war: Die zum Abbruch bestimmten Häuser Hauptstrasse Nr.91, 93 und 95, Strassenseite, gegen Westen
Wie es war: Die zum Abbruch bestimmten Häuser Hauptstrasse Nr.91, 93 und 95, Strassenseite, gegen Westen

Im Winter 1927/28 wurde mit Niederlegung der zwei westlichen Häuser, Nr. 99 und 97, ein Anfang gemacht und damit eine wesentliche Verbesserung der Verkehrsverhältnisse erzielt. Als sich im vergangenen Sommer unerwartet Baulustige meldeten, hat die Bürgerschaft am 11./12. August 1934 mit 1091 Ja gegen 537 Nein dem Kreditbegehren in der Höhe von 70'000 Franken zugestimmt, für Korrektion der Hauptstrasse, sowie für nötige Abschreibungen zufolge Abbruch der Häuser Hauptstrasse 91, 93 und 95 und Verkauf von Bauplätzen aus dem Bodenbesitz der Poliischen Gemeinde im Adlergebiet. Was anlässlich der Abstimmung noch manche bezweifelten, wird zur Tatsache: die Häuser Nr. 91, 93 und 95 sind im Abbruch, und für zwei Neubauten (M. Häfelin, Conditor. Nr. 91, und Wwe. Kloos Nr. 93), sind die Pläne ausgeschrieben.

Die alten Häuser des Adlergebietes 1934, von der Trischlistrasse aus gesehen
Die alten Häuser des Adlergebietes 1934, von der Trischlistrasse aus gesehen

Unsere Bilder zeigen in erster Linie den Plan mit der Strassenkorrektion. Die Fahrbahn wird auf 8.0 m verbreitert und erhält eine schlanke Linienführung. Das südliche neue Trottoir wird 4.2 m breit angelegt, das bestehende nördliche so verbreitert, dass es an der schmalsten Stelle vorläufig 3.5 Meter, später, nach Erstellung von Häusern auf die Baulinie, 4.6 m Abmessung erhält. Der Plan zeigt ferner die Neuüberbauung, mit der neuen Bauplatzeinteilung. Da die alten Häuser schmal waren und von den neuen die Mehrzahl breiter wird, haben zwischen Trischlistrasse und «Adler» nur noch vier (früher fünf) Häuser Platz. Zwei Neubauten werden sofort erstellt; für die westlichen zwei Bauplätze haben sich Baulustige gefunden, so dass mit der balddigen Ausführung der ganzen Häuserreihe zu rechnen ist. Die keilförmige Lücke zwischen dem «Adler» und Haus Nr. 91 ist vorgesehen für die spätere westliche Erweiterung des Hauses Nr. 89, mit rechteckigem Grundriss und vollständiger Schliessung der Häuserreihe.

Korrektion der Hauptstrasse zwischen Trischli- und Kronenstrasse: Planskizze 1934
Korrektion der Hauptstrasse zwischen Trischli- und Kronenstrasse: Planskizze 1934

Das Schaubild zeigt die ersten drei Häuser westlich des «Adler», von der Ostseite her gesehen. Entsprechend den heutigen Anschauungen sind die Formen ganz schlicht gehalten. Durch verschiedenartige farbige Behandlung von
Einzelheiten, einem Gesamtton untergeordnet, wird trotzdem das einzeIne Haus zur Geltung kommen.

Schaubild der geplanten neuen Häuser, gegen die Hauptstrasse, von Osten gesehen
Schaubild der geplanten neuen Häuser, gegen die Hauptstrasse, von Osten gesehen

Kurz bevor die bestehenden Häuser abgebrochen wurden, hielt man sie auf der Platte fest. Das eine Bild zeigt die guten architektonischen Verhältnisse der drei alten, kleinstädtischen Bürgerhäuser gegen die Hauptstrasse, von Osten gesehen; das andere, von der Trischlistrasse aus aufgenommen, bringt ein Stück «unbekanntes Alt-Rorschach», das beim Erscheinen der Monatschronik verschwunden sein wird.

Text und Fotos: E. Keller
Buchtitel: Rorschacher Monatschronik 1934, Nr.10, S.1-4
Copyright: 1934 by E. Löpfe-Benz, Rorschach

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