Restaurant «Rietli» Goldach

Landgasthof «Rietli», Erbaut 1830
Landgasthof «Rietli», Erbaut 1830

Aus der Geschichte eines Landgasthofes

Das «Rietli» in Goldach hat sich ein neues, schönes Kleid zugelegt. Seine Besitzerin, die Stadt St. Gallen, ließ den weitherum bekannten Landgasthof mit einem Kostenaufwand von 104'000 Fr. renovieren. Heute präsentiert sich die Liegenschaft außen und innen sehr gediegen und heimelig. Herr Oscar Linner, Rorschach, als leitender Architekt und die Handwerker der Umgebung haben aus dem alten Haus ein Schmuckstück gemacht, das seine Anziehungskraft bei Einheimischen und Fremden nicht verfehlen wird. Gepflegte Gasthäuser sind Visitenkarten einer Ortschaft. Am schweizerischen Bodenseeufer besitzen wir nun eine Reihe vorbildlicher Hotels und Gaststätten, die den Bestrebungen, unsere Landschaft am See zum vermehrten Ausflugs- und Ferienziel zu machen, aufs beste dienen.

In den Geschichtsblättern wird die Gegend um das « Rietli » schon im Jahr 860 erwähnt. Damals schloss Waldram, ein Sproß des Zentgrafengeschlechtes, einen. Tauschvertrag mit dem Kloster St. Gallen ab. Er gab dem Kloster seinen ganzen Besitz in Goldach, unter anderem auch einen kleinen Acker am See. Das Gebiet des Rietli ist also schon damals bebaut gewesen. In späteren Jahren hieß diese Gegend Trummersriet, weil dort das Geschlecht der Trummer sesshaft war. Ein Fußweg verband das Rietli mit Goldach. Erst in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts wurde ein Fahrweg errichtet, als sich Industrien am Dorfbach ansiedelten und die königliche Villa «Seefeld» in den siebziger Jahren gebaut wurde.

Landgasthof «Rietli», Renoviert 1951
Landgasthof «Rietli», Renoviert 1951

Die Liegenschaft «Rietli» wurde im Jahre 1830 von Franz Xaver Forster erbaut. Sieben Jahre später errichtete die neue Besitzerin Rosa Maria Baumgartner eine Wirtschaft ein. Das Haus wechselte neunmal den Eigentümer, und wurde zuletzt im Jahre 1902 von der Gemeinde St. Gallen für 111'000 Fr. gekauft. Der Erbauer des Hauses legte zu seiner Zeit 12'000 Fr. aus. In den sechziger Jahren übernahm Gemeinderat Meßmer aus Goldach die Liegenschaft. Das Rietli wurde zum Geburtshaus seines Sohnes, des späteren Erzbischofs Sebastian Meßmer von Milwaukee, welcher in der Missionierung und Pastoration Nordamerikas Pionierarbeit geleistet hat. Das Gebiet um das «Rietli» bot damals noch ein wesentlich anderes Bild als heute.

Es bestand noch kein Eisenbahngeleise, auch kein Wasser- und Gaswerk. Gebhard Sebastian Meßmer besass den Ruf eines frohmütigen und leutseligen Wirtes. Viele St. Galler Familien wanderte an schönen Sonntagen nach dem «Rietli». In den neunziger Jahren übernahm Viehhändler Wehrle das «Rietli». Er richtete einen eigenen Gondelplatz ein; denn die St. Galler Herren, die in kleinen Chaisen vorfuhren, gondelten fürs Leben gern auf dem Bodensee herum.

Das «Rietli» konnte sich sogar königlicher Nachbarschaft rühmen. Die in der Nähe liegende Villa «Seefeld» des württembergischen Königshauses hatte nicht für alles Personal Platz. Einige der Diener wohnten während des ganzen Sommers in den oberen Räumen des Gasthauses~ Auch die jungen Prinzen und Prinzessinnen trieben sich oft auf dem Gutsbetrieb und in den Stallungen herum und waren wohl glücklich, für einige Zeit den gestrengen Hofetiketten entronnen zu sein. Die Wegverhältnisse von Rorschach zum «Rietli» nach Arbon waren bis zum Jahre 1862 recht unbequem. Ueber die Goldach führte noch keine Brücke. Der Weg ging als Furth durch das Flüsschen. Bei Hochwasser des Sees war kaum durchzukommen. 1862 wurde die Straße Rorschach-Horn-Arbon als Staatsstraße ausgebaut. Der Gast hof zum «Rietli» gewann an Bedeutung und wurde zum Rastplatz vieler Reisender. Das ist bis heute so geblieben. Der heutige Pächter, Herr Erwin Hoss, wird dem Ruf des renovierten Hauses am See, ein gastlicher Ort für jedermann zu sein, nichts schuldig bleiben.

Buchtitel: Rorschacher Monatschronik 1951, S.108-109
Copyright: 1951 by E. Löpfe-Benz, Rorschach

Restaurant Rietli Ende 19. Jahrhundert
Restaurant Rietli Ende 19. Jahrhundert

Gasthaus Rietli

Wohnhaus von Gebhard Sebastian Messmer, Amman (1849 - 1851), nachher Präsident der Ortsgemeinde und Kantonsrat (1861 - † 12. April 1873).

Geburtshaus von Erzbischof Sebastian Gebhard Messmer.

Foto:  Goldach aus vergangenen Tagen, 1979, Josef Reck

Standort Restaurant «Rietli» Goldach zeigen auf Geoportal Siegfriedkarte 1888, Orthofoto.

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