Haus Mariaberg, Hauptstrasse 45/47

Erbaut als Geschäftshaus mit Restaurant 1908/1909 für die Besitzerin der Brauerei Mariaberg, Witwe Rosina Brodmann und den Geschäftsmann Wehrle-Kerpf, anstelle der am 18. August 1908 abgebrannten Häuser «Gasthof zum Ochsen» und «Bazar zum Engel».

Der damals erfolgreichste Rorschacher Architekt Johann Stärkle zeichnete mit Anklang an die Neugotik zwei Jugendstilhäuser, in der Baueingabe als «architektonisch einheitlich» beschrieben. Die Giebel der zwei fünfstöckigen Häuser überragen alle anderen Häuser an der Hauptstrasse. Es fällt durch seine überragende Stellung von Westen wie von Osten auf, ist gleichfluchtend mit seinen Nachbarn zusammengebaut und kann als Antwort des Jugendstils auf das schräg vis-à-vis liegende mehrheitlich in klassizistischen Formen erstellte Haus Papyrus von 1901 verstanden werden. Zu beachten: Der in gotischer Fraktur gehaltene Schriftzug «Restaurant Mariaberg».

Fassade Mariaberg Hauptstrasse 45/47, Rorschach
Fassade Mariaberg Hauptstrasse 45/47, Rorschach

Im Erdgeschoss befand sich eine altdeutsche Bierhalle, geführt von der Brauerei Mariaberg, und im ersten Stock das Weinrestaurant Mariaberg. Diese beiden Lokale gehörten zu den beliebtesten und bestbesuchten der Stadt. Wegen der von Rorschacher Glasmalern erstellten farbigen Jugendstilfenster wurde die Bierstube als die bemerkenswerteste der Schweiz bezeichnet. 1921 wurden die Bierhalle zu einem Ladenlokal und das Restaurant zu einem Konzertlokal umgebaut. Mit dem Einbau einer Bar 1982 verlor das Lokal viel von seinem ursprünglichen Charakter.

Farbig leuchtend erhalten geblieben sind die Dachverglasungen und bleigefassten Fenster im ersten Stock.  Ein sehr fein ziseliertes Wappen der Stadt Rorschach, Weinlaub und Hopfenelemente, allegorische Szenen mit Bacchus «dem Gott der Reben» sowie Gambrinus «dem Schöpfer des Gerstenbräu» und Bilder von Spielleuten mit Trinksprüchen wie z.B. «Wo eine Musica rein, wer sollte da nicht lustig sein» oder «Des Leben Sonnenschein – ist trinken und fröhlich sein», erinnern an das einstige Tanzlokal «Mariaberg», in dem Generationen junger Rorschacher und Rorschacherinnen ihre ersten Tanzschritte probten.

Quellen: INSA: Daniel Studer, Archiv Ostschweizerisches Tagblatt, Bauamtsarchiv, «Wer sollte da nicht lustig sein» von Otmar Elsener, Tagblatt 30.10.2007

Standort «Haus Mariaberg» zeigen auf Geoportal Orthofoto.

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