«Villa Wartegg»

Villa Wartegg, Goldach, Erbaut von Franz Haettenschwiler 1903
Villa Wartegg, Goldach, Erbaut von Franz Haettenschwiler 1903

Ein hundertjähriges Schmuckstück

Während den letzten Jahren hat Irène Kellenberger die « Villa Wartegg » sukzessive und mit viel Liebe zum Detail renoviert. An den Erhalt der denkmalgeschützten Bausubstanz hat neben dem Kanton auch die Gemeinde einen Beitrag geleistet.

Wenn ich durch Goldach spaziere und die Umgebung wieder einmal bewusst betrachte, fallen mir einerseits die neuen Bauten auf. Andererseits gibt es aber auch viele Stras­senecken und Häuser, die noch genauso aussehen wie zu meiner Schulzeit. So ein altes Herrenhaus ist die « Villa Wartegg », die an prominenter Lage an der Ecke St.Gallerstrasse-Warteggweg steht. Beim genaueren Hinsehen fallen dann allerdings einige Veränderungen ins Auge. Der Baumbestand wurde ausgelichtet und so nimmt man die alten Bäume wieder als einzelne Riesen wahr. Das schmiedeiserne Tor ist versetzt und ergänzt und macht einen einladenden Eindruck. Beim Betreten des Grundstückes fallen viele schöne Details auf : die Fassade ist in feinen Pastellfarben gemalt, um die Reliefs zu unterstreichen ; die Fenster sind restauriert oder ergänzt, auch das Buntglasfenster im Erdgeschoss ; die verglasten Balkone sind mit filigranen Gittern versehen. Auch das frühere Waschhäuschen, das etwas abseits am Rand des Gartens steht, ist renoviert und auf dem Kiesplatz steht eine wunderschöne Pergola im Jugendstil, die nach alten Aufnahmen gefertigt wurde.

Die Geschichte der « Villa Wartegg »
Franz Josef Hättenschwiler, Besitzer der Bruggmühle, liess die Villa Wartegg im Jahre 1903 als Herrschaftshaus erbauen. Schon im Jahre 1907 übernahmen sein Schwiegersohn Dr. Albert Hautle und dessen Frau Josefina Sophie Hättenschwiler das Haus. In den ­folgenden Jahrzenten war es auch als die Hautle-Villa bekannt und wurde von dessen Nachkommen bis im Jahre 1999 bewohnt. Vom alten Glanz war nun nicht mehr viel übrig und manches im Haus in einem desolaten Zustand. Durch einen Zufall erfuhr Irène Kellenberger, dass die Villa zum Verkauf stand. Da ihr das Herrschaftshaus schon als Mädchen immer Eindruck gemacht und sehr gut gefallen hatte, packte sie die Herausforderung und erwarb die Villa mit Garten und Waschhäuschen.

Eine aufwändige und intensive Arbeit begann
Schon im Herbst, unmittelbar nach dem Kauf, stellte sich heraus, dass zuerst die Heizung erneuert werden musste, sie war kaputt. Im Treppenhaus liess Iréne Kellenberger die hässlichen Inlaidbeläge entfernen. Darunter versteckt waren ein intakter Mosaikboden und eine stabile Marmortreppe. So vollzog sich die Renovation Schritt für Schritt in Absprache mit dem Denkmalschutz. Alles, was noch erhaltenwert war und sich für eine Renovation eignete, wurde sorgfältig instand gestellt : Die Holzvertäfelung, die alten geschliffenen Fenster, die Stuckdecken mit den Gemälden der vier Jahreszeiten, die Riemenparkettböden, ein alter Ofen und z. B. auch ein wunderschön bemaltes Lavabo im Jugendstil. Kompromisse machte die Grundeigentümerin nur bei Küche und Bad und bei den elektrischen Leitungen, um dem heutigen Wohnkomfort genügen zu können.

Schmuckstück im Jugendstil
Die aufwändige Renovation hat sich gelohnt. In viel Kleinarbeit und unzähligen Stunden Einsatz hat Familie Kellenberger ein verlottertes Haus mit viel Liebe zum Detail renoviert und in ein Bijou verwandelt.

Text und Fotos: Marianne Roos
Originalartikel im Wellenbrecher Nr. 78 vom September/Oktober 2008
Copyright: Gemeinde Goldach

Standort « Villa Wartegg » Goldach zeigen auf Geoportal Siegfriedkarte 1888, Orthofoto.

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