Die grossen Rorschacher Leinwand-Exporthäuser im 17. und 18. Jahrhundert

Tabelle I: Anzahl der zur Rorschacher Schau gebrachten Tücher. RMC 1968 Dezember
Tabelle I: Anzahl der zur Rorschacher Schau gebrachten Tücher

Die Darstellung der zwischen 1641 und 1693 jährlich auf die Rorschacher Schau gebrachten Anzahl Tücher (Tabelle l), vornehmlich der Handelshäuser von Bayer und von Hoffmann, zeigt eine Hausse über 2000 Tücher zwischen 1665 und 1684. Das hängt mit den ewigen Kriegen des Jahrhunderts zusammen. Weil der Handel der beiden Häuser hauptsächlich über Venedig und Genua in den Mittelmeerraum ging, konnten ihm die Kriege im Norden und Westen der Schweiz – hier war das Hauptabsatzgebiet der Stadt St.Gallen – weniger schaden. Wir sehen aber deutlich, wie der Dreissigjährige Krieg, der Schweizerische Bauernkrieg und der Erste Villmerger Krieg, welche über die erste Jahrhunderthälfte hinaus die Wirtschaft unseres Landes beeinflussten, auch einen Tiefstand des Rorschacher Leinwandhandels verursachten. Wir müssen uns aber hüten, den Geschäftsumfang der beiden grossen Häuser nur von der Leinwandschau in Rorschach her beurteilen zu wollen, aus zwei Gründen: erstens wurden, trotz Gebot, nicht alle gekauften Tücher auf unsere Schau gebracht, und zweitens handelten die Kaufherren noch mit anderen Waren.

Das 18. Jahrhundert war, was Kriege und Umbrüche anbelangt, nicht minder aufregend als sein Vorgänger. Auch hier können die Schwankungen im Geschäftsverlauf der Rorschacher Handelshäuser mit geschichtlichen Ereignissen in Beziehung gebracht werden. Leider sind keine Dokumente wie Kaufmannsbriefe, Frachtbriefe, Aufträge usw. mehr vorhanden, die über den Umfang des Handels und das Geschäftsgebaren Aufschluss geben könnten. Um so wertvoller war es, aus den im Stiftsarchiv St.Gallen (unter E 1335 bis 1338) vorhandenen Rorschacher Gewerberechnungen die Tabelle II zusammenstellen zu können. Sie enthält alle im Archiv greifbaren Abgaben in Gulden, welche die verschiedenen Firmen an die äbtische Gewerbeorganisation in Rorschach jährlich entrichten mussten. Von diesen Werten – es sind Kaufmannsspesen am Versandort – können Schlüsse auf den Umsatz gezogen werden, wenn wir sie z. B. hypothetisch mit zehn Prozent annehmen. Natürlich kamen noch die Frachtspesen, Risiken und anderes hinzu. Immerhin muss der Umsatz bedeutend gewesen sein, wenn wir wissen, dass man damals für 40 Gulden eine Kuh kaufen konnte. Tabelle II bestätigt die schon bisher bekannte Blütezeit des Rorschacher Leinwandgeschäftes zwischen 1760 und 1780 oder 1782. Ihr wollen wir unsere besondere Aufmerksamkeit schenken.

Weiterlesen im letzten / nächsten Kapitel.

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